Montag, 16. Jul. 2018
Die Stadt Telgte gehört zu den ältesten Orten des Münsterlandes. Seinen Ursprung verdankt Telgte einer Emsfurt, an der sich bedeutende Handelswege trafen. Vermutlich wurde zu Beginn des 9. Jahrhunderts durch Liudger, den ersten Bischof von Münster, eine Pfarrkirche errichtet. Von dieser Kirche und zwei Haupthöfen ging die weitere Besiedlung aus.

1238 erhielt Telgte die Stadtrechte. Mit der Stadterhebung ergaben sich für die Bürger bessere Zukunftsaussichten und ein hohes Maß an Freiheit. Wie jede andere Stadt wurde Telgte Anziehungspunkt für Landbewohner, die auch den Schutz hinter der Stadtbefestigung zu schätzen wussten.

Vermutlich war Telgte schon vor der Stadterhebung 1238 mit Palisaden und einem Graben und befestigt. Die Stadtmauer entstand um 1370, als Bischof Florenz in der Nähe der großen Mühle die Florenzburg errichten ließ. Bis auf den Bereich des Emsverlaufs umschloss die Mauer, die drei Tore hatte, ringförmig die Stadt. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurde die Stadtmauer niedergerissen.

Bis 1802 lag Telgte im Herrschaftsbereich des Fürstbischofs von Münster. Das Fürstbistum Münster gliederte sich in Ämter. Telgte gehörte zum Amt Wolbeck, dessen Verwaltung in den Händen des Amtsdrosten lag. In Telgte regelten die Bürgermeister und der Rat die Verwaltung.

Die wirtschaftliche und soziale Struktur Telgtes war geprägt von Landwirtschaft, Handwerk und Handel. Im Handwerk war seit alters her die Textilproduktion von Bedeutung. Einen Wirtschaftsfaktor bildeten in Telgte auch zahlreiche Kram-, Vieh- und Jahrmärkte, von denen sich der seit 1616 bestehende Mariä-Geburts-Markt bis heute erhalten hat.

Eine besondere Bedeutung hat in Telgte die Marienwallfahrt. Das Telgter Marienbild ist um 1370 entstanden. Möglicherweise handelt es sich um die Schenkung eines in Lübeck verstorbenen Telgter Kaufmanns für das Grab seiner Eltern. Der Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1650-1678) gilt als Förderer der Telgter Wallfahrt. Er legte 1654 den Grundstein für die Wallfahrtskapelle.

Für Telgte wie für das gesamte Münsterland bildeten die Jahre 1802 bis 1815 einen tiefen Einschnitt. Die Auswirkungen der Französischen Revolution und der Machtpolitik Napoleons erreichten auch die kleine Emsstadt Telgte. Sie wurde zunächst preußisch und stand dann zwischen 1806 und 1813 unter französischer Herrschaft. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig, in der Napoleon geschlagen wurde, kam das Münsterland dann erneut unter preußische Administration.

1844 wurde das Amt Telgte gebildet, das aus den Gemeinden Telgte-Stadt, Telgte-Kirchspiel und Westbevern bestand. Es gehörte zum Landkreis Münster.

Ein bemerkenswertes Ereignis war die Gründung des St. Rochus-Hospitals durch den Franziskanerpater Christoph Bernsmeyer (1777-1858). Es wurde 1848 fertig gestellt und hat sich zu einer modernen Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie entwickelt.

1887 wurde die Eisenbahnlinie von Münster nach Warendorf eröffnet, die Telgte an das überregionale Verkehrsnetz anband. Trotz des allmählichen Übergangs zur industriellen Produktion blieb aber der Amtsbezirk auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Weimarer Zeit hinein beschaulich und wenig entwickelt.

Ein Glücksfall war daher 1932 die Ansiedlung der Firma Winkhaus, die Schlösser und Baubeschläge produziert. Heute ist Winkhaus der größte industrielle Arbeitgeber in Telgte.

Der Zweite Weltkrieg war für Telgte ein tiefer Einschnitt. Der Ideologie des nationalsozialistischen Terrorregimes folgend, wurden die bis zum Ende der dreißiger Jahre in Telgte lebenden Juden diskriminiert, ihre Synagoge wurde 1938 geschändet und niedergebrannt. Elf dieser jüdischen Mitbewohner und zwei Sinti fanden in den Vernichtungslagern den Tod.

Als Folge des Krieges verloren 456 Menschen aus Telgte ihr Leben. Die materiellen Schäden und die Zerstörung von Häusern blieben dagegen eher gering. Für den Amtsbezirk Telgte war das Ende des Krieges allerdings ein tiefer Einschitt, da durch Evakuierung und Flucht eine Zunahme der Bevölkerung um rd. 42 Prozent stattfand. Die Behebung der hieraus folgenden Wohnungsnot blieb bis in die 1960er-Jahre ein Problem.

Als Erinnerung und Mahnung wurde 2013 an der Königstraße eine Stele für die Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes in Telgte der Öffentlichkeit übergeben.

Die in den 1970er Jahren durchgeführte kommunale Gebietsreform betraf auch die drei Gemeinden des Amtes Telgte. Bereits 1968 kam es zur Fusion von Telgte-Stadt und Telgte-Kirchspiel zur neuen Stadt Telgte; 1975 erfolgte der Zusammenschluss mit der Gemeinde Westbevern. Obwohl die Stadt Telgte eine weitere Zugehörigkeit zu Münster anstrebte, wurde sie dem Kreis Warendorf zugeordnet.

Seitdem hat Telgte sein Gesicht verändert durch den Bau von Schulen, die Bereitstellung neuer Wohn- und Gewerbegebiete sowie die Neugestaltung der Altstadt. Dass auch Westbevern von Investitionen profitierte, zeigen die Dorferneuerung in den Ortsteilen Westbevern-Dorf und Westbevern-Vadrup sowie der Bau einer Umgehungsstraße.

Auch das weithin bekannte Museum Heimathaus Münsterland und das 1994 eröffnete Krippenmuseum haben neue Wege beschritten. Das heutige RELiGIO - Westfälisches Museum für religiöse Kultur - bietet den Besuchern seit April 2012 anschauliche Antworten auf religiöse Fragen. Die allgemeine Bevölkerungsentwicklung ist bedeutendes Thema bei zukünftigen Vorhaben. Die Stadt Telgte nimmt den demografischen Wandel als eine Herausforderung an und setzt sich schon heute mit diesem Thema ernsthaft auseinander, um die Folgen aktiv gestalten zu können.